Systemischer Ansatz

Probleme stehen aus systemischer Sicht immer auch im Kontext der sozialen Umwelt, in der ein Mensch lebt, mit der er oder sie in Beziehung steht. Unter Umständen ist deshalb auch eine Einbeziehung dieses Kontextes in eine Einzeltherapie sinnvoll. Das kann bedeuten, dass eine Erweiterung zur Paar- oder Familientherapie stattfinden kann, oder dass eine intensivere Zusammenarbeit mit weiteren Begleitern der Person oder dem sozialen Betreuungssúmfeld erfolgen muss. Doch auch wenn andere soziale Systeme im Gespräch nicht anwesend sind, ist es durch eine Vielzahl von Methoden möglich, diese Bindungen sichtbar zu machen und so in die therapeutische Arbeit mit einzubeziehen.

Auf der Basis einer systemischen Sichtweise sehe ich Krisen oder "Symptome" zunächst als einen Versuch, mit etwas Schwierigem umzugehen. Vor dem Hintergrund Ihrer Lebenssituation und -geschichte ergeben sie Sinn und beinhalten neben den unangenehm erlebten Anteilen auch Lösungsversuche für ganz bestimmte Ziele, sie sind also teilweise nützlich.

Die positiven Aspekte einer Krise oder eines Symptoms wahrzunehmen und anzuerkennen ist ein Weg, um sie zu bearbeiten und neue Sichtweisen und Handlungsmöglichkeiten zu eröffnen.

Schicksalsschläge und traumatische Erlebnisse erfordern es jedoch, dass sie als solche anerkannt werden. Sie lassen sich nicht dekonstruieren, aber der/die Betroffene kann versuchen zu verstehen, was sie in ihm/ihr ausgelöst haben und welche individuelle Bedeutung ihnen gegeben wurde. "Verstehen" und "ertragen" sind erst an einem sicheren Ort möglich, und oft nicht allein, sondern erst mit Unterstützung einer sicheren Beziehung, wie sie im therapeutischen Prozess aufgebaut wird.